Surfen ohne Angst

Zwischen purer Freude, Euphorie und Glücksgefühlen und lähmender Panik und Angst beim Surfen herrscht bei dieser Sportart oftmals nur ein schmaler Grat. Eine Gratwanderung, die man bei Extremsportarten in Kauf nehmen muss. Vielleicht ist es aber auch genau das, was diese Sportarten so besonders macht.

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Jeder der schon mal Surfen war weiß, ein guter Wipeout oder wie man im Deutschen gerne sagt eine Runde in der Waschmaschine, gehört zum Surfen genauso dazu wie die inneren Glücksgefühle nach einer schönen Welle! Dennoch können besonders negative Erlebnisse im und unter Wasser den gesunden Respekt vor den Wellen überschreiten. Im schlimmsten Fall kann das zur regelrechten Angst beim Surfen und mentalen Blockaden führen. Aus einer so schönen Sache, wie eins mit dem Wasser und den Wellen zu werden, wird eine riesen Überwindung. Bei dem Anblick der Weiten des Ozeans macht sich statt Euphorie ein mulmiges Gefühl breit. Und alles was zuvor wie von alleine geklappt hat will einfach nicht mehr richtig hinhauen. – Aber wie kann es sein, dass wir uns etwas, was wir so lieben und genießen selber so schwer machen? Und wie bekommen wir es hin unsere Angst zu überwinden und unsere Liebe zum Meer, den Wellen und dem Surfen wieder neu zu entdecken?

Was ist Angst und wo kommt sie her?

Angst bezeichnet grundsätzlich einen Gefühlszustand der Unheimlichkeit und Ausgesetztheit. Sie wird meist ausgelöst durch Reize, die wir als unangenehm oder unbekannt empfinden. In manchen Fällen sind Ängste begründet und haben einen tiefer gehenden Ursprung. Zum Beispiel ein einschneidendes Erlebnis. Manchmal ist sie aber auch einfach nur da und wir wissen selber nicht wo sie her kommt und wie wir sie wieder los werden. Bei Angstzuständen begibt der Körper sich in Alarmbereitschaft. Das sympathische Nervensystem berietet unseren Körper auf einen Kampf oder auf die Flucht vor. Das Herz fängt an zu pochen, der Blutdruck steigt, unser Atem wird schneller und das Blut schießt in die Skelettmuskulatur um auf die folgende Situation vorbereitet zu sein. In diesem Moment ist der ganze Körper in Aktionsbereitschaft. Wir sind hellwach und unsere ganze Konzentration richtet sich auf die Gefahrensituation. 

Wieso ist ein bisschen Angst beim Surfen gut?

Niemand gibt gerne zu, dass er Angst hat. Tatsächlich ist die Angst in vielerlei Situationen aber gar nicht unser Feind. Im Gegenteil!
Sie dient dazu Situationen richtig einzuschätzen, warnt uns vor Risiken und hilft dabei nicht übermütig zu werden. Insbesondere bei Extremsportarten, bei denen es darum geht die eigenen psychischen und physischen Grenzen zu überschreiten. Hier ist Angst in Form von gesundem Respekt sogar überlebenswichtig. Egal, ob wir einen Berg rauf klettern, von einer Klippe springen, mit dem Mountainbike einen Downhill Pfad runter brettern oder unsere bisher größte Welle reiten. In diesen Situationen hilft unsere Angst die notwendige Konzentration und Kraft, die wir brauchen aufzubringen.

Ab wann ist Angst nicht mehr gut?

Oft dient eine gewisse Angst in Form von gesundem Respekt dem Schutz nicht übermütig zu werden. Geht sie jedoch darüber hinaus, kann sie völlig überwältigend sein. Sie lähmt Körper und Verstand und führt schnell zu mentalen Blockaden. Beim Surfen ist diese Art von Angst das Letzte was wir wollen! Denn sie kann uns die Freude am Surfen schnell kaputt mache. Ist diese Angst dennoch da, kann es passieren dass man in den falschen Momenten zu viel nachdenkt, anstatt einfach seinem Körper und seinem Können zu vertrauen. Bewegungsabläufe die eigentlich ganz automatische funktionieren, klappen nicht mehr. Der Spaß am Surfen geht langsam verloren und wird ersetzt durch die Angst vor dem Surfen. Dann ist es ganz wichtig diesen Ängsten auf den Grund zu gehen und alles in Bewegung zu setzen um sie zu überwinden und den Spaß und die Liebe zum Surfen wieder zu finden!

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Wovor haben wir denn eigentlich Angst?

Um unserer Angst auf den Grund zu gehen und sie zu bekämpfen ist die wichtigste Frage, die wir uns selber stellen müssen: “Wovor haben wir denn eigentlich Angst?” Die Ängste die beim Surfen entstehen können, sind so individuell und vielfältig wie die verschiedenen Surfspots auf dieser Welt. Wie jede Angst können auch diese begründet sein, zum Beispiel auf Grund schlechter eigener Erfahrungen. Oder sie ist einfach da, wie zum Beispiel eine grundsätzliche Angst vor kräftigen Wellen.

Ganz grob können Ängste beim Surfen in inneren und äußeren Konditionen unterschieden werden. Häufig überschneiden sich diese aber auch. 

Innere Konditionen:

Die inneren Konditionen sind in diesem Fall hauptsächlich die eigenen motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Ängste die sich dabei oft einschleichen können sind die Angst vor:

  • zu wenig Paddel Kraft hat
  • dass die Ausdauer nicht reicht
  • technischen Defiziten
  • Verletzungen

Äußere Konditionen:

Bei den äußeren Konditionen handelt es sich um alle externen Faktoren, auf die man achten muss und die uns das Surfen erschweren. Typische Ängste, die beim Surfen aufkommen sind die Angst vor

  • starker Strömung
  • zu großen oder zu kräftige Wellen
  • der “Waschmaschine”
  • beim Wipeout auf den Boden zu knallen
  • Kontakt mit dem Riff
  • überfüllten Surfspots und anderen Surfern

Natürlich können die verschiedenen Ängste sich auch überschneiden oder gegenseitig bedingen. Je besser zum Beispiel die eigene Paddel Ausdauer, desto geringer wird die Angst vor der Strömung. Oder je besser die Technik desto kleiner wird die Angst vor Fehlern beim Take-Off. Daher ist es zunächst erstmal wichtig ganz individuell heraus zu finden vor was man genau Angst hat. Dann kann man die notwendigen Schritte einleiten, um diese zu überwinden. Die folgenden Tipps sollen eine Grundlage bieten um gegen mögliche Blockaden anzugehen um nach einer gelungenen Session wieder mit einem Grinsen aus dem Wasser zu kommen!

Wie können wir unsere Angst beim Surfen überwinden? 

Um unsere Freude am Surfen und dem wunderschönen Gefühl mit seinem Brett im Wasser zu sein wieder neu zu entfachen ist es wichtig, mögliche Ängste und Blockaden, die sich eingeschlichen haben oder womöglich schon immer da waren zu überwinden. Der erste Schritte dabei ist es zunächst ganz individuell heraus zu finden, wovor wir eigentlich Angst haben. Haben wir unsere Ängste identifiziert, gibt es zum einen bevor man Surfen geht aber auch im Wasser ein paar Kleinigkeiten auf die man achten kann, um seine Ängste zu besiegen.

Angst vor körperlichen Defiziten und Verletzungen

Die Angst davor, dass einem im Wasser die Kraft ausgeht, egal ob beim Paddeln oder für den Take-Off, kann nur mit einem bekämpft werden: Training, Training, Training! Das klingt vielleicht nervig, ist aber sehr wahr. – Je fitter du körperlich bist, desto wohler fühlst du dich in brenzlichen Situationen im Wasser. Und desto geringer ist die Gefahr, dass dir in der falschen Situation die Kraft ausgeht. Zusätzlich erleichtert die körperliche Fitness natürlich das Paddeln und den Take-Off selber, sodass mit dem richtigen Training auch deine Technik schnell verbessert wird. Alles wichtige, um deinen Körper zu verstehen und für das richtige Training fürs Surfen findest du hier

Bist du besonders anfällig für Verletzungen und hast beim Surfen genau davor Angst ist außerdem das richtige Warm-Up und Stretching vorm Surfen ganz wichtig für dich!

Angst vor Wellen und Strömung

Viele Ängste, die beim Surfen entstehen und die Gefahr in einer unangenehmen Lage in Panik zu geraten können mit simplen Hintergrundwissen bekämpft werden. Nicht umsonst gehören zu einer guten Surfstunde auch Theorie Einheiten dazu. Das theoretische Wissen wie Wellen und Strömungen funktionieren hilft am Spot dabei die Ruhe zu bewahren, wenn einen die Strömung doch mal mit nimmt. Auch die verschiedenen Phasen einer Wellen zu verstehen kann im Line-Up von Nutzen sein. Durch Wissen bekommt man ein besseres Auge und Gefühl für Wellen. Je besser das Gefühl für Wellen wird, desto leichter wird es eine Welle an der richtigen Stelle anzupaddeln, ohne dass sie kraftlos unter einem durchrollt und ohne dass sie schon so steil ist, dass der Wipeout garantiert ist.
Es kann auch helfen, zunächst erstmal ohne Surfbrett ins Wasser zu springen, durch die Wellen zu tauchen und ein Gespür für die verschiedenen Kräfte in einer Welle zu bekommen.

Angst vor dem Untergrund

Wenn dir beim Surfen vor allem der Untergrund Angst macht, ist die richtige Spot Auswahl wichtig. Suche dir einen Spot, an dem die Wellen weite genug draußen brechen und achte immer darauf das genügend Wasser zwischen dir und dem Untergrund ist. Solange du im Wasser immer lieber zu früh als zu spät von deinem Brett springst, kann dir nicht viel passieren. Dies gilt insbesondere an Reef Breaks! Fühlst du dich noch nicht bereit fürs Riff, dann warte damit lieber noch.

Angst vorm Wipeout

Zur Angst vorm Untergrund kommt die Angst vorm Fallen und vor dem Sog in die “Waschmaschine” dazu. Zugegeben, es gibt schönere Sachen als einen ordentlichen Wipeout! Sekunden unter Wasser fühlen sich an wie Minuten, Oben und Unten verschwimmen und man verliert im Sog des Weißwassers völlig die Orientierung. Aber auch ein richtiger Wipeout soll gelernt sein! Das wichtigste ist zu allererst die Ruhe zu bewahren! Je weniger man sich gegen die Kräfte der Welle währt, desto schneller spuckt sie einen auch wieder aus. Dazu verbraucht man so weniger Sauerstoff und sollte die paar Sekunden die einen normal große Wellen unter Wasser halten auf jeden Fall aushalten. Alles, auf was du für den richtigen Wipeout sonst achten musst kann du hier nachlesen.

Angst vor anderen Surfern im Wasser und vollen Spots

Besonders unangenehme Situationen können entstehen, wenn neben dir noch Tausend andere Surfer im Wasser rum paddeln. Egal, ob man Angst hat selber jemanden umzufahren oder etwas falsch zu machen oder ob man Angst hat das Brett eines anderen Surfers an den Kopf zu bekommen. Volle Surfspots können grade für Surfer, die mit Ängsten und Blockaden zu kämpfen haben sehr stressig sein. Suche dir daher wenn möglich immer einen Spot an dem nicht bereits drei Surfschulen unterwegs sein. Auch ganz alleine an einem Spot zu sein kann zu Unbehagen führen, dennoch solltest du in der Lage sein eine Welle auch mal für dich alleine zu haben! Um selber keine Gefahr im Wasser zu sein ist es besonders wichtig sich mit den Vorfahrtsregeln beim Surfen auszukennen.

Generell hat Surfen ganz viel mit Einstellung und ‘Mindset’ zu tun, weshalb zum Beispiel die Kombination aus Surfen und Yoga so beliebt ist. Wer diese Verbindung für sich entdeckt, kann bereits mit der richtigen Einstellung und kleinen meditativen Übungen sein Surf Erlebnis verschönern und kleine Blockaden lösen! Auch für Profi Surfer gibt es mittlerweile neben normalem Training auch mentales Training und sportpsychologische Betreuung. Mach dir bewusst, dass dein Geist für alle deine Bewegung- und Denkmuster verantwortlich ist. Das bedeutet du kannst neue Bewegungsabläufe und Techniken bereits durch das angucken von Videos oder das simple Vorstellen der Bewegung erlernen und verbessern. 

Ein sehr wertvoller Tipp, den ich mal von einer Sportpsychologin gegen Blockaden beim Surfen erhalten habe ist dieser:

Führe dir immer wieder dein bisherig größtes Erfolgserlebnis beim Surfen vor Augen! Egal ob du Anfänger bist und an deine beste, gestandene Weißwasserwelle denkst. Oder ob du schon mehr Erfahrung hast und dir deine erste wunderschöne grüne Welle vorstellst die du vielleicht sogar schon zur Seite abfahren konntest. – Präge dir genau dieses Gefühl voller Adrenalin, Euphorie und Glück ein, das dich in diesem Moment überschüttet hat. Gehst du die nächste Welle mit diesem positiven Gefühl an anstatt mit Angst, was alles passieren kann, weiß dein Körper automatisch was er machen muss. Denn er erinnert sich wie von alleine an deine perfekte Welle. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Körper sich verkrampft weil du zu verkopft bist wird so deutlich geringer und die Chancen für deine nächste „Beste Welle“ steigt zu Tausend Prozent!