Von der knallharten Wettkampf-Surferin zu einem offeneren Selbst

„Als ich in meinem ersten Jahr auf die ASP World Tour kam, war ich eine erbittertere Wettkämpferin. Hawaiis öffentliche High School hatte mich darauf konditioniert, immer eine harte Schale zu wahren und meine Gefühl nicht gegenüber anderen zuzulassen und zu zeigen – um nicht schwach zu erscheinen.“

Auf der Tour war ich in der Lage meine Konkurrenten auf Distanz zu halten und ließ nie Nähe zu oder ließ mich nie auf sie ein. Ich war nicht daran interessiert irgendwelche zu persönlichen Details über mich zu teilen. Ich wollte niemanden auf der Tour als Freund betrachten und ging sogar soweit sie als Feinde anzusehen. Ich wollte sie nicht auf einer persönlichen Ebene kennenlernen, denn wenn man jemanden zu nah an sich ranlässt, dann beginnt man damit sich um diese Person zu sorgen.

Es war so viel einfacher, gegen die anderen Frauen auf Tour anzutreten, denn da war keine persönliche Bindung oder eine persönliche Beziehung zu ihnen. Ich weiß genau, wie es sich anfühlt um die halbe Welt zu fliegen und in der ersten Runde zu verlieren – solch ein Gefühl möchtest du nicht erleben und du wünscht es niemandem deiner Freunde. Genau aus diesem Grund errichtete ich eine Mauer um mich und vermied es die anderen als Freunde zu betrachten.

Obwohl dieser Ansatz im Wasser sehr gut funktionierte, war es an Land eine ganz andere Geschichte. Als die Zeit voranschritt und ich länger und länger auf der Tour war, fand ich es immer härter diese unglaublichen, tollen Frauen nicht kennenzulernen, mit denen ich 10 Monate im Jahr zusammen um die Welt reiste und surfte. Es war gegen meine Natur, gegen meine Persönlichkeit mich nicht zu öffnen und meine offene  Art mit ihnen zu teilen. Ich fühlte mich, als ob ich ständig gegen mich selbst kämpfen müsste, es war sehr anstrengend diese Mauern aufrechtzuerhalten und um ehrlich zu sein fühlte ich mich sehr schnell einsam. Ich führte eine einsame Existenz.

Dann geschah etwas sehr drastisches, was mich aufwachen ließ. Es war in Costa Rica auf einem 1-Star-WQS-Event. Ich hatte starke Bauchschmerzung und hatte einen Blinddarmdurchbruch. Ich wurde in Eile in das nächste Krankenhaus gefahren, in eine kleine Dritte-Welt-Stadt von der ich noch nie in meinem ganzen Leben etwas gehört hatte. Es kam mir vor wie ein Krankenhaus aus einem Horrorfilm – es war beängstigend. Eimer von Blut in den Gängen, schreiende Menschen – furchterregend. Zu diesem Zeitpunkt, so muss ich erhlich zugeben – befand ich mich in einem wirklich schlechten Zustand. Mein Blinddarm war durchgebrochen und verströmte giftige Substanzen in alle meine Organe. Ich spuckte schwarzes Gift aus und wurde von Schmerzen geschüttelt. Es wurde mir mitgeteilt, dass sie eine Not-Operation an mir durchführen würden – sofort! Ich sagte, dass ich mich unter gar keinen Umständen in einem Dritte-Welt-Land aufschneiden lassen würde, sondern, dass sie mich auf der Stelle in ein sauberes Krankenhaus in LA fliegen sollten. Mir wurde geantwortet, dass ich bereits tot sei, wenn ich dort ankommen würde. Um ehrlich zu sein würde ich wahrscheinlich sowieso innerhalb der nächsten 20 Minuten ins Koma fallen.

Ich begann zu weinen und begann an meine Familie und Freunde zu denken … dann begann ich an die anderen Mädels und Frauen auf Tour zu denken. Es kam mir in den Sinn, dass ich jetzt sterben könnte und, dass sie sich nicht um mich sorgen oder kümmern würden, weil sie mich gar nicht kannten – weil ich ihnen dazu nie die Gelegenheit gegeben hatte. Ich hatte ihnen immer nur Keala Kennelly als Wettkämpferin, aber nie Keala Kennelly als Person gezeigt. Sie hatten mich nie kennengelernt. Und diese Person Keala Kennelly die ist gar nicht so hart und zielgesteuert – eigentlich bin ich nämlich eine sehr liebe und nette Person. 

In diesem Moment im Krankenhaus, als sie mich in den OP-Saal rollten entschied ich, dass ich – sollte ich diese Operation überleben, mich nicht mehr zurückziehen und mein wahres Ich verstecken würde. Sie sollten mich so kennenlernen, wie ich bin.

Ich überlebte und war wie verändert. Es war als ob mein Operateur diesen Teil von mir, den ich so lange gezeigt hatte aus mir entfernt und auf dem Operationstisch zurück gelassen hatte. Als ich mich wieder ausreichend erholt hatte um wieder an der ASP Worldtour teilzunehmen, flog ich zum nächsten Event in Fiji. Ich begann den anderen Surferinnen eine veränderte Ausgabe von mir zu zeigen – eine veränderte Person, die sie so noch nie kennengelernt hatten. Ich begann mich zu öffnen und lies die Mauern fallen. Ich ließ die anderen an mich heran und es fühlte sich sehr gut an.

 

 

Wellen Trenner Ende