Peahi. Jaws – der Rachen – nennen diejenigen, die hier in den 17 Meter hohen Wasserlawinen auf der Suche nach Freiheit sind, die Küste an der Nordwestseite der Insel Maui, Hawaii. Dort, wo das Kreischen der Jet-Skis den Donner der Welle zerfetzt, wo Abgasschwaden den salzigen Geruch der Gischt verfärben und das Hämmern des Helikopters den heulenden Wind betäubt, ist Jaws. Dies ist das Revier von Laird Hamilton, 32. Hier hat der Mann mit dem Beinamen „König der Wassermenschen“ mit seiner Crew den Surfsport neu gestaltet und völlig umgekrempelt. Seither sichern sich die Männer mit Fußschlaufen, wie man sie vom Windsurfing kennt, um einen besseren Stand auf dem Surfboard zu finden. „Der nächste Schritt war der Jet-Ski als Schlepper.“ Von diesen „Wassermotorrädern“ lassen sich die Extremsportler in Wasserwände katapultieren, die kein Mensch je zuvor surfte. Surfen auf Leben und Tod. „Strapped Inc.“ nennt sich Hamiltons siebenköpfiges Team, das sich in Maui einem gefährlichen Szenario aussetzt. „Laird inspiriert uns. Wenn er sagt, ,Laß uns von dieser Klippe springen´, dann springst du“, sagt Crew-Mitglied Mark Angulo.

Jeder Surfer ist nur so gut wie der Schlepper, der ihn im richtigen Augenblick in die Welle entläßt – und ihn, wenn es um Leben oder Tod geht, herausholt. „Wenn es kritisch wird“, sagt Hamilton, „dann müssen sie ihr Leben riskieren, um deines zu retten.“ Die haushohen Wassermassen stürzen mit einer Kraft nieder, die mit der eines einstürzenden Gebäudes vergleichbar ist. Nur zwischen 16 und 20 Sekunden bleiben den Schleppern, um ihren Mann nach einem eventuellen Sturz auf den Jet-Ski zu holen, denn dann kommt bereits die nächste Welle. „Oft hält die Welle dich unten fest. Die Fahrer müssen genau einschätzen, wo ein Surfer auftauchen wird“, erklärt Laird. Mehr als drei Wellen zu durchtauchen – darin ist sich das Team einig – überlebt niemand. Es grenzt an ein Wunder, daß es bislang keinen bei diesem Rennen mit der Zeit erwischt hat. Laird selbst kam bis jetzt mit Knochenbrüchen davon. In dieser Saison werden, bedingt durch die Stürme des El Niño, die Wellen noch höher wachsen – ebenso wie die Gefahr für ihre Reiter.

Todesangst auf der Monsterwelle. „Ein großer Teil der intensiven Erfahrung hat mit Angst zu tun“, gibt Hamilton zu. „Für uns ist sie ein Werkzeug, ein Weg zur absoluten Konzentration.“ Der Surf-Guru, dem die Anhänger in das Todesrisiko folgen, genießt bei diesen einen nahezu mystischen Status. „Er ist der Mann aus dem Meer, der einer höheren Form der Kommunikation folgt“, schwärmt nicht nur Lairds Freundin, die amerikanische Beach-Volleyball-Spielerin Gabrielle Reece. „Wir verlassen uns auf sein Wort. Wir alle fühlen uns nackt, wenn Laird nicht in der Nähe ist“, sagt Brett Lickle von der Strapped-Crew. Der US-Journalist Bruce Jenkins geht in der Bewunderungshymne noch weiter: „Wenn jemand in den späten 90er Jahren eine gottartige Präsenz hat, dann ist es Laird“, schrieb er kürzlich. Die Legende des Wellengotts nimmt ihren Anfang in seiner Kindheit. Der vaterlose Laird war, so geht die Mär, erst knapp über zwei Jahre alt, als er am Strand von Pupukea Billy Hamilton, einem der großen Bodysurfer der 60er Jahre, zusah. Hamilton nahm den Jungen für einen Ritt mit aufs Brett. Danach adoptierte der Kleine den Surfer: „Ich will, daß du mein Vater bist“, sagte der Junge und stellt Billy seiner Mutter Jo-Ann vor. Nur Wochen später heiratete Billy Hamilton Jo-Ann. Heute ist er Lairds größter Fan. Nicht nur wegen des Risikos ist das Tow-in-Surfen umstritten – es raube dem Sport Seele und Reinheit, meinen Puristen unter den Surfern. „Das ist, als würde man sagen, Heli-Skiing ist nicht mehr richtiges Skifahren“, verteidigt Laird sein Faible. „Das schöne am Big-Wave-Surfen ist, daß die Größe der Welle keine Ansichtssache ist“, schwärmt der Extremsurfer. „Da kommt kein Preisrichter, der über Stil urteilt. Große Wellen – das versteht jeder. Eine 20-Meter-Welle ist eine 20-Meter-Welle.“

Quelle Fotos: https://abowlofstupid.com/wp-content/2007/01/laird%20teahupoo1.jpg

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